Bei den Stadt-Walks höre ich in der Abschlussrunde oft denselben Satz, nur unterschiedlich formuliert: „Ich hätte nicht gedacht, dass das mitten in Wien geht." Es geht. Die Stille, um die es uns beim Gehen geht, liegt nämlich nicht im Wald und auch nicht im Stadtpark. Sie liegt in dir, und die Stadt ist ein hervorragender Ort, um genau das zu üben.
Zwischen den Walks muss niemand auf den nächsten Termin warten. Hier sind drei kleine Übungen, die wir in ähnlicher Form auch bei Walk in Silence machen. Sie kosten keine Zeit, denn sie passieren auf Wegen, die du ohnehin gehst.
1. Drei Häuserblocks den eigenen Schritten zuhören
Such dir auf einem vertrauten Weg, etwa zur U-Bahn, eine Strecke von drei Häuserblocks aus. Auf dieser Strecke gilt: Die Aufmerksamkeit bleibt bei den Füßen. Ferse, Ballen, Zehen, und wieder von vorn. Das Handy bleibt in der Tasche, die Kopfhörer auch. Wenn die Gedanken abwandern, und das werden sie, hol sie freundlich zum nächsten Schritt zurück. Drei Blocks reichen. Es geht nicht um Ausdauer, sondern darum, dem Tag einen Anker zu setzen.
2. Eine Ampelphase lang nur hören
Rot ist in dieser Übung kein Ärgernis, sondern ein Geschenk von etwa vierzig Sekunden. Statt zum Handy zu greifen, bleib einfach stehen und hör hin: die Straßenbahn, ein Gespräch im Vorbeigehen, Tauben, irgendwo eine Baustelle. Die Kunst ist, alles da sein zu lassen, ohne ihm nachzugehen und ohne es zu bewerten. Kein Geräusch ist falsch. Wenn die Ampel grün wird, gehst du weiter, ein kleines Stück ruhiger als davor.
3. Der stille Umweg
Wien ist voller Gassen, die zwei Minuten länger dauern und zehnmal ruhiger sind als die Hauptroute. Nimm einmal pro Woche bewusst diesen Umweg und geh ihn ein wenig langsamer als nötig. Nicht schlendern, nicht trödeln, einfach: gemütlich. Genau in diesem Tempo gehen wir auch bei den Walks. Du wirst merken, dass sich die zwei Minuten nicht wie verlorene Zeit anfühlen, sondern wie gewonnene.
Die Stille finden wir in den Gassen der Innenstadt genauso wie im Wald. Und vor allem: in uns.
Und wozu das alles?
Diese Übungen ersetzen keinen gemeinsamen Walk. Das Wir-Gefühl, das entsteht, wenn eine Gruppe schweigend durch den Abend geht, lässt sich alleine nicht herstellen. Aber sie halten die Verbindung zu dir selbst lebendig, zwischen den Terminen und mitten im Alltag. Und vielleicht sind sie dein erster Schritt: Wenn du merkst, dass dir diese Minuten guttun, dann geh das nächste Mal mit uns. Schweigend, durch Wien.